Freitag, 30. Oktober 2009

Kommissar Maigret

Maigret ist ein früher Vertreter jener kantigen Kommissare, die man entweder liebt oder nicht - und dann gleich die ganze Reihe im Regal stehen hat.
Ein großer, schwerer, ruhiger Mann, der am Ort des Verbrechens herumwandert, die Atmosphäre aufnimmt, beobachtet. Immer gehören Besuche in den örtlichen Kneipen dazu. Ein bedächtiger, langsamer Schweiger mit natürlicher Autorität, der oft unterschätzt wird, aber durch seine stille Präsenz auch manchmal Angstund Nervosität auslöst.
In allen mir bekannten Fällen begibt sich Maigret aus Paris in die Provinz, wo es gilt, Beziehungsmorde im engen familiären Rahmen aufzuklären. Durch Maigret´s Beobachtungen und fragende Gespäche mit vielen Beteiligten entstehen atmosphärisch dichte Milieu- und Charakterstudien der provinziellen Enge. In beiden Büchern ist mir erstmals aufgefallen, dass deutlich herausgestrichen wird, dass Maigret den örtlichen Ermittlern überlegen ist. In Holland sind sie töricht und Maigret belächelt sie gar mehrfach. Das ist unangenehm und ganz unnötig. Ist das vielleicht ein Charakteristikum, das ich bislang übersehen habe?

Samstag, 27. Juni 2009

Kalte Asche

Als Kind habe ich immer wieder das Wandbild in der Küche abgemalt. Die gleichen Pferde in der gleichen Reihenfolge unter dem gleichen Himmel. Einige Zeichnungen sind mir besonders gelungen, andere sahen irgendwie verhunzt aus.
So ist es auch mit der "Chemie des Todes" und "Kalte Asche".Im Prinzip zweimal exakt das gleiche Buch. Setting, Ablauf, Psychologie. Es hätte eigentlich stinklangweilig sein müssen und ich habe oft gestaunt, wie man es als Autor wagen kann, dermaßen exakt von sich selbst abzuschreiben. Das Erstaunliche ist jedoch, dass ich Kalte Asche trotzdem sehr spannend fand. Ich habe mich gut unterhalten und es richtig gern gelesen.
Es sind eben doch die subtilen Kleinigkeiten, die ein Buch besser oder schlechter machen, auch wenn der Plot ähnlich ist. Beckett ist zwar kein John le Carré, aber ein solider britischer Krimischreiber! Ich habe sogar Lust auf weitere seiner Bücher bekommen...

Sonntag, 21. Juni 2009

ABSOLUTE FRIENDS

"This is vintage John le Carré"
Wenn Du das Wörterbuch brauchst, um vintage nachzuschlagen, dann leg es gar nicht mehr weg. Es gibt Unmengen toller neuer englischer Worte zu lernen.
Wenn das also ein "klassischer" Carré ist, dann muss ich unbedingt mehr davon lesen. Carré schreibt den lakonischen Stil eines alten Mannes, der viel gesehen hat und die Wechselfälle des Lebens unaufgeregt und ohne Illusionen betrachtet. Eine abgeklärte Vogelperspektive.
In schnörkellosem Stil beschreibt Carré die Lebensgeschichte von Ted Mundy, die als Sohn eines indischen Kolonialoffiziers beginnt und in Heidelberg nach 9/11 endet. Und es ist keine Spionagegeschichte, wie ich sie vermutet habe. Genau wie manch guter Krimi nur den Vorwand zu Charakter- und Milieustudien liefert, beschreibt Carré atmosphärisch dicht das Leben eines Mannes, der erst nach 60% des Buches überhaupt mit Spionage in Kontakt kommt. Nachkriegsengland, Berlin 68, DDR und BRD der 80ger - Carré muss persönlich dabei gewesen sein. Der knappe, sachliche Stil erzeugte bei mir besonders intensive Emotionen, um die "Lücken" zu füllen. Ted Mundy - ein sympatischer Kerl wie Du und ich. Ich werde ihn vermissen.

Das Ende ist übrigens ein Knaller. Man könnte denken, Carré hätte 95% des Buches als Vorrede geschrieben, damit man das Ende richig würdigen kann. Das wäre eine etwas sehr lange Vorrede. Nein, ich denke, er hat in die Zeiten des Kalten Krieges zurückgegriffen, weil das seine Zeit ist und hat einfach ein aktuelles Ende drangeflanscht. Und zwar gut!

Samstag, 20. Juni 2009

dict.leo.org und Dictionary Search



Leo ist ein kostenfreies deutsch-englisches Online-Wörterbuch, dass ich seit gut zwei Jahren regelmäßig nutze. Es ist (glaube ich) an der TU in München entstanden. Mittlerweile finanziert es sich laut Auskunft der Autoren über Werbeeinnahmen.Das ist schön, denn so bleibt es uns wohl auf absehbare Zeit erhalten. Die Werbung erscheint mir ebenso dezent wie bei Google. Irgendwie schaue ich immer nur auf das Suchergebnis und nie nach links oder rechts ;-)

Besonders prima finde ich, dass die Firefox-Erweiterung "Dictionary Search" einen Zugriff auf Leo per Kontextmenu bietet. Die Erweiterung ist so beliebt, dass sie für alle Firefox Versionen angepasst wurde. Im Browser markiere ich ein Wort und kann es dank Dictionary Search auch sofort in Französich, Niederländisch und Italienisch nachschlagen. Das Ergebnis öffnet in einem neuen Tab.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Die Thrawn Trilogie

Peter hat mir drei Bücher von Timothy Zahn mitgebracht, die ich unbedingt mal lesen müsse.
# Erben des Imperiums
# Die dunkle Seite der Macht
# Das letzte Kommando

Es handelt sich um die drei letzten, nicht verfilmten Star Wars Folgen, mit Luke Skywalker, Han Solo, Prinzessin Leia usw., in denen erzählt wird, wie es nach der Schlacht um Endor und der Vernichtung des Imperators weitergeht.

Interessanterweise nennt man die Bücher die "Thrawn-Trilogie", denn der eigentliche Star ist ganz zurecht der imperiale Großadmiral Thrawn. Als ich nach ca. 20 Seiten merkte, dass ich die Trilogie vor 15 Jahren schon mal gelesen habe, hab ich sie nicht etwa zur Seite gelegt, sondern war glücklich, sie wiedergefunden zu haben. Ich werd mir die Bücher bestellen. Manches möchte man einfach zuhause stehen haben, um es immer wieder zu lesen.

Mittwoch, 22. April 2009

Viva Polonia

Steffen Möller lebt seit 1994 freiwillig in Polen und ist dort mittlerweile zum zweitbekanntesten Deutschen avanciert - gleich nach dem Papst! Den preisgekrönten Kabarettisten kennt heute jeder Pole: Entweder als unglücklich verliebten „Stefan Müller“ aus der Erfolgsserie „L wie Liebe“ und aus der wöchentlichen Comedy-Show "Europa lässt sich mögen". Anhand von ca. 50 Themen, von „Anarchie“ bis „Warschauer U-Bahn“ versucht er (erfolgreich), die polnische Mentalität zu beschreiben. Ich hatte nur witzige Schmonzetten erwartet aber viel Information, Alltagsimpressionen und trotz seiner Zuneigung zu Polen auch kritische Töne gefunden. Lesenswert für alle, die auch nur ein bischen an Polen interessiert sind.

Als Wuppertaler hat er übrigens ein kleines neidisches Minderwertigkeitsgefühl gegen Düsseldorf. Das Buch endet mit dem Ausruf "Viva Polonia! Hochwasser für Düsseldorf!" Häh! Arme Wupperwürstchen, die...

Dienstag, 21. April 2009

Der elektrische Mönch

Absolut wirres Machwerk. Hingestümperter Mist! Inkohärenter Scheiß.

Ich habe bis hinten durchgehalten, weil "Per Anhalter durch die Galaxis" zu meinen absoluten Lieblingsbüchern gehört, aus denen ich sogar zitieren kann. Aber Das? Grauenhaft.

Das Buch ist ein Sammelsurium von Einzelideen, Skizzen und ja -witzigen Passagen. Aber die Spannungsbögen stimmen nicht. Es sind zu viele lose Enden, die hinten größtenteils auch zusammengedroschen werden. Ein Aha-Erlebnis ist es aber nicht mehr - eher ein erlöstes "endlich fertig". Adams spezieller Schreibstil wird überstrapaziert - er hängt einem nach kurzem zum Hals raus.

Douglas Adams wollte ein neues Genre erfinden: ein Geister-Horror-Wer-ist-der-Täter-Zeitmaschinen-Romanzen-Komödien-Musical-Epos. Versuch gescheitert. Bitte auch nicht den "Langen dunklen Fünf Uhr Tee der Seele" lesen.

Sonntag, 19. April 2009

Canoo

Das Canoo ist ein kleines Restaurant - Café - Dings auf der guten alten WSV Rheintreue mit Sonnenterrasse und schönem Blick auf den Rhein und die Rheinpromenade aus nördlicher Perspektive. Man kann bequemerweise von der Theodor-Heuss-Brücke aus mit dem Auto vorfahren (Rober-Lehr-Ufer).


Im Prinz war besonders das Brunch-Angebot gepriesen, so dass wir es heute ausprobiert haben. Lecker war es schon, das Angebot jedoch im Umfang eher klein. Nun gut - es ist ein kleines Restaurant - Café - Dings und damit ok.

  • Leider ist der Raum aber ziemlich eng. Die Stühle stehen so, dass man sich kaum bewegen kann, was bei einem Brunch leider recht häufig nötig ist.
  • Die Akustik des Raumes ist furchtbar. Ein paar Leute reden und man versteht sein eigenes Wort nicht mehr. Infernalisch.
  • Wenn eine Speise leer war, wurde zum Teil erst 40 Minuten später nachgelegt.
  • Nachtisch war versprochen, stand aber nicht auf dem Buffet. "Kommt erst später." Nach drei Stunden hatten wir kein Sitzfleisch mehr, auf ihn zu warten und sind ungesüßt abgezogen

Definitiv keine Empfehlung für Brunch !!!!

Samstag, 28. Februar 2009

Es gab keinen Sex im Sozialismus

Es fängt wirklich ganz witzig an, was dem einfachen Trick zu verdanken ist, dass die paar guten Geschichten an den Anfang gestellt wurden. Ich fühlte mich an Kishon erinnert und dachte - hej Kaminer hat sich erzählerisch weiterentwickelt. Aber dann fällt das Niveau ab und kommt auch nicht mehr hoch. Zwei Drittel des Buches sind schlicht langweilig.

Freitag, 27. Februar 2009

Glaubensfrage

Ein mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnetes Theaterstück gut verfilmt. Der deutsche Titel ist allerdings nicht ganz treffend, denn es geht nicht um theologische Dispute. Das Original heißt "Zweifel".

Inhalt: 1964 in Harlem (New York). Eine katholische Kirchengemeinde und eine katholische Schule. Konflikt zwischen der bitteren, herrschsüchtigen Rektorin (Nonne), die die Schule wie ein Gefangenenlager leitet und dem lebensfrohen irischen Gemeindepriester, der den Leuten lebensnah aus dem Herzen predigt und viel für die Jugend tut. Beim ersten an den Haaren herbeigezogenen Vorwand stürzt sich der alte Drache auf den Priester und unterstellt ihm sexuelle Beziehungen zu einem Schüler. Idiotisch, oder? Man ist anfangs geneigt, die olle Schrulle zu hassen und den netten Kerl zu schützen, aber andererseits - wie viele solcher Priester hat es nicht schon gegeben. So wie sie religiöse Sprüche vorschiebt, um ihren Machtkampf zu gewinnen, so gut würden ihm seine progressiven Argumente helfen, niedere Motive und Kindesmissbrauch zu verbergen. Im Laufe des Stückes wird sie sympathischer und er zweifelhafter. Das Stück bleibt bis zum Schluss exakt auf Messers Schneide. Wer hat recht? Wem glaubt man? Eine Glaubensfrage! Es bleiben Zweifel in alle Richtungen. Klasse.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Stille

Harold Cleaver ist britischer Fernsehmoderator. Ein Großmaul, ein Vielredner, ein Angeber, ein Frauenheld, ein Workoholic, ein bekannter Gesellschaftslöwe. Er ist nie eine Sekunde allein, hat immer mehrere Eisen im Feuer und tanzt auf allen Hochzeiten, spricht zu allen Themen.
Mit 55 auf dem Höhepunkt seiner Karriere veröffentlich sein erwachsener Sohn ein Buch über den Vater, den Unerträglichen, den Zynischen, den Allmächtigen. Eine Abrechnung. Eine Breitseite. Ein Schlag unter die Gürtellinie.

Cleaver zieht die Reißleine und verschwindet in den Tiroler Bergen. Oberhalb der Lärmgrenze - mit nur wenigen Brocken deutsch. Einfach mal die Klappe halten!! Kein Telefon, kein Fernsehn, kein Buch, keine Zeitung, keine Menschen. Kalter Entzug.

Hey - und was wir hier mit ihm erleben ist kein weises Zen-Stück, kein Robinson und kein Thoreau. Tim Parks lässt einfach Cleavers Gedanken fließen, wie sie halt so fließen. Und das ist schriftstellerisch total toll, weil ganz einfach und natürlich gemacht. Tirol und London, Fußschmerzen und Grübeleien - alles fließt ohne Filter, ohne Unterbrechung und ohne Interpunktion durch sein Bewusstsein. Diese Denken, wie man halt so denkt, zog mich durch das ganze Buch. Und natürlich erleben wir einen differenzierteren Mann als vom Sohn karrikiert. Einen Menschen.
Gut!

Freitag, 20. Februar 2009

Vergebung

Merkwürdig. Was sind das für Bücher, die man beim Lesen nicht aus der Hand legen kann. Man ist gebannt und fasziniert, doch zwei Wochen später denkt man: " Was ist eigentlich so toll daran?"

Im Gegensatz zur Beprechung des zweiten Bandes bin ich nun der Meinung, dass die drei Bände im Grunde ein einziges Buch sind. Der dritte Band führt die beiden ersten nahtlos fort und bringt alles zu einem versöhnlichen Ende. Fertig! Mir drängt sich der Vergleich zum Herrn der Ringe auf. Doch Larson oder der Verlag wollten (wohl aus kommerziellen Gründen), dass die drei Bücher möglichst unabhängig voneinander funktionieren. Darum sind etwa ein Drittel der Buchstaben des dritten Bandes nur dazu da, neuen Lesern zu erklären, was sie in Band 1 und 2 verpasst haben. Das nervt zu Tode!
Inhalt: Lisbeth Salanders in Band 2 aufgeklärte Vergangenheit bricht auf. Der Geheimdienst versucht erneut, sie zu Vertuschungszwecken in die Psychiatrie sperren zu lassen. Diesmal hat sie aber starke Verbündete - aufrechte Journalisten, aufrechte schwedische Demokraten, aufrechte Polizisten, aufrechte Hackerkollegen, eine aufrechte Anwältin und noch ein paar andere aufrechte Freunde. Dem sind die Bösewichte nicht gewachsen. In einem Show-Down vor Gericht, ganz im Stile vieler Gerichtsdramen, werden sie überführt, während Salander die ganze Zeit im Gefängnis sitzt. Schön wie ein Dur-Akkord, schön wie Mozart, Balsam für die Seele - aber im Nachhinein halt irgendwie langweilig. Lieber hätte man Salander in Aktion gesehen...

Montag, 26. Januar 2009

Bis aufs Blut

Das ist ein ganz frührer Rankin. Der Autor hat sich noch nicht eingeschrieben. Die Grundidee ist super und die Auflösung am Ende wirklich kreativ. Was fehlt, um das Buch zum Knaller zu machen, ist der Stil. Rankin erzählt ein einfaches Roadmovie, in dem er offensichtlich einfach ein paar eigene Reiseimpressionen aus den USA runterschreibt. Mich als USA-Neuling hat das zwar angesprochen und unterhalten, aber Spannung?
Inhalt: ein junger britischer Berufskiller mit familiärem Militärhintergrund (Klischee) erledigt einen Auftrag in London. Zwei Sekunden nach dem Schuss ist die Polizei vor Ort und er entkommt nur mit knapper Not. Offensichtlich will ihn jemand ans Messer liefern, aber wer? Er macht sich auf die Suche. Dabei wird er selbst von einem fetten, sarkastischen New Yorker Privatdetektiv verfolgt. Dann schaltet sich noch ein amerikanischer Geheimdienst ein. Männer in - Klischee, Klischee - dunklen Anzügen, Sonnenbrille und dunklen Autos . Die Spur führt zu einer Sekte in die USA, die - wie das Klischee es verlangt - natürlich an Westküste residiert. Dort wird später richtig gesplattert. Die dazu erforderlichen Waffen besorgt er sich en gros wo? Na? Richtig - in TEXAS. Jippiee! Am Ende war er völlig auf dem Holzweg. Alle Überlegungen Quatsch. Die Lösung ist soo einfach. Irgendwie ganz nett zu lesen...
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Die Stadt der träumenden Bücher

Bis Seite 132 von 500 habe ich mich durch die Lektüre geschleppt, dann hatte ich keine Lust mehr. Eigentlich überraschend, denn Kapitän Blaubär und das kleinee Arschloch sind zwei lustige, unterhaltsame Figuren. Moers sprüht vor lustigen Einfällen, deftigen Bildern, kreativen Wortspiele, skurilen Figuren und bizarren Geschichten. Er muss einen Generator im Kopf hat, der ihn mit einer bestimmten Sorte von Einfällen quält. Und damit er nicht platzt, müssen sie raus. Leider haben ihm die Kurzgeschichten nicht genug Erleichterung gebracht. Er brauchte einen Befreiungsschlag. Einen riesigen Schuttabladeplatz für witzige Einfälle: "Die Stadt der träumenden Bücher".

Zum Inhalt: Der Held der Geschichte (ein Drache) wächst im literarisch durchtränkten, aber provinziellen Drachenhausen auf. Nachdem sein Mentor stirbt, zieht er hinaus in die große weite Welt, um Abenteuer in der großen Stadt (Buchheim) zu erleben. Er begibt sich auf die Suche nach dem "Wichtigen Gegenstand" (ein Buch) usw. usw. Die Hauptgeschichte ist recht handlungsarm und macht kaum Fortschritte. Der Held geht durch die Straßen und schaut sich um. Er sieht 7456 Lebensformen und 8991 Typen von Buchläden, die Walter Moers alle schön nacheinander beschreibt. Er betritt ein Antiquariat und sieht dort 29.320 skurile Bücher mit ihren Titeln und Verfassern, die Moers alle einzeln aufzählt. Er nimmt an einem Konzert im Stadtpark ein, das musikalisch die Landesgeschichte nachzeichnet und das Konzert dehnt sich über 20 Seiten. Nö! Wärst Du doch bei der Kurzgeschichte, dem Comic, der Skizze geblieben...
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Dienstag, 20. Januar 2009

Die Welt ohne uns

So ein Scheiß! Es ist die typische Kaufsituation, in der ich immer wieder mal auf schlechte Bücher hereinfalle: ein ungeplanter Bummel im Stern-Verlag mit viel Lust auf Neues, aber wenig Zeit und Anschlussterminen. Da greif ich schon mal nach der schönen Oberfläche. Interessanter Titel, gutes Titelbild, "Bestseller" und dann der Cover-Text: "Eines der größten Gedankenexperimente unserer Zeit". Und dann der Autor - "Professor für Journalismus und renomierter Wissenschaftsjournalist".
Trotzdem ist das Buch Schrott! Ein wirres Sammelsurium zusammengewürfelter Skizzen aus Evolution, Geologie, Umweltverschmutzungsthemen und Reiseimpressionen. Abgestanden, oberflächlich, oft gehört und gelesen und ohne stringente Gedankenführung.

Zunächst bleibt Weissman kurz beim Thema. Er beschreibt en detail, in welcher Weise Häuser, Wolkenkratzer, Straßen und Brücken zerfallen, wobei jede rostige Schraube betrachtet wird. Das erinnert an den Prozess der Leichenzersetzung in "Die Chemie des Todes". Ganz interessant. Aber dann schweift er vollkommen ab. Wir erfahren, dass die Menschheit aus Afrika kommt, Jane Godell die Schimpansen beobachtet hat, Plastikmüll sich langsam zersetzt und viel Schwermetall im Boden ist. Ab und zu fühlt er sich wohl verpflichtet, zum Titel zurückzukehren. Wir erfahren mehrfach, dass Bauernhöfe zuwuchern, wenn sie stillgelegt werden und sich Außerirdische nach 10.000 Jahren wohl fragen würden, ob wir es gezielt auf unseren Untergang angelegt hätten. Dann geht es mit Informationen weiter wie: in Nordamerika hat einst Großwild gelebt und FCKW schädigt die Ozonschicht. Ach...

Mittwoch, 14. Januar 2009

Verdammnis

Wow, das gab es schon lange nicht mehr: ich habe gestern bis zwei und heute morgen bis vier Uhr durchgelesen. Auf der Arbeit konnte ich es kaum aushalten, das Buch endlich wieder in Händen zu halten.

Ich hatte ja große Bedenken, ob es Larsson nach seinem wirklich guten Auftaktbuch "Verblendung" hinbekommen würde, die liebgewonnen Figuren glaubwürdig weiterzuführen. Er hat und wie. Das zweite Buch seiner Reihe ist eine Intensivierung und Steigerung und spannend wie nur was.

Im Unterschied zu dem, was ich gehört hatte, handelt es sich aber nicht um eine Story, die sich über zwei Bücher erstreckt, sondern um zwei unabhängig voneinander lesbare Stories mit den gleichen Hauptpersonen. In Verdammnis erfahren wir alles über Lisbeth Salanders Hintergrund. Sie ist die unbestrittene Hauptperson und - endlich mal ein Umschlagtext, den ich voll unterschreiben kann - "Lisbeth Salander überwältigt mit ihrer Unwiderstehlichkeit. Sie gewinnt die Liebe des Lesers im Sturm" Der Spiegel

Nicht verschwiegen werden soll, dass Larsson inmitten seiner kunstvoll aufgebauten, zügig voranschreitenden Geschichte ab und zu stilistische Einsprengsel bringt, die merkwürdig lahm und unbeholfen wirken z.B. die Marotte, die zahlreichen Personen eines polizeilichen Ermittlerteams, biographisch auszuleuchten - und zwar
a) alle hintereinander über drei Seiten und
b) für die Story eigentlich überflüssig.
Vielleicht haben wir eine Großteil der Spannung ja dem gut gespitzten Rotstift des Unbekannten Lektors zu verdanken.

Sonntag, 11. Januar 2009

Verblendung

Na das ist ja mal ein Ding. Da schreibt einer drei Krimis, die einschlagen wie wie eine Bombe - aber leider erst posthum veröffentlicht wurden. Schade, das hätte eine ganze Krimiserie mit dem ungewöhnlichen Ermittlerpärchen "Wirtschaftsreporter + verhaltensgestörte Sozialhilfeempfängerin" werden können. Was muss er denn mit 50 einen Herzinfarkt bekommen!? Wahrscheinlich hat er genau so geraucht, wie seine Darsteller oder wurde hintenrum von den schwedischen Neonazis ermordet. Die spielen jedenfalls eine ziemliche Rolle in diesem mit dem Skandinavischen Krimipreis ausgezeichneten Buch, was sich aus seiner Biographie ergibt. Tja, und dann hat er da noch dieses Thema "Frau wird von Sadist gefangen und gequält" drauf.
Um all diese Themen irgendwie unterzubringen, wählt er als Rahmenhandlung einen Wirtschaftskrimi, in den er eine klassische Whodunit einbettet. Nachdem der Held der Geschichte, seines Zeichens Enthüllungsreporter, vor Gericht eine Niederlage gegen einen vermutlich kriminellen Großindustriellen erlitten hat, zieht er sich in die schwedische Provinz zurück. Dort nimmt er den Auftrag eines ehemaligen Großindustriellen an. Er soll einen 4o Jahre alten Mord aufklären, was auch in klassischer Manier, Schritt für Schritt gelingt. Im Gegenzug hilft der alte Großindustrielle dem Reporter die Anfangsschlappe auszuwetzen und dem Bösewicht das Handwerk zu legen. Das Buch ist unterhaltsam und wird nach einem etwas flauen Anfang sogar richtig, richtig spannend. Guter Stil. Meine Lieblingsfigur ist die unangepasste "Lisbeth Salander", die der ganzen Geschichte Seele verleiht. Da beide Helden mit ordentlich Geld an den Füßen aus dieser Geschichte herauskommen, bleibt abzuwarten, ob der Folgeroman nicht zwangsläufig ganz anders werden muss, denn Geld ändert ja bekanntlich alles. Erhalten bleiben uns wahrscheinlich die Sadisten und die Nazis...

Freitag, 9. Januar 2009

Shakespeare

In der englischsprachigen Welt ist Shekesbeare seit Jahrzehnten und Jahrhunderten Gegenstand intenviver Erforschung und unzähliger Publikationen. Warum also noch ein Buch und warum gerade dieses?

Nun, wie umfangreich die Forschung über Schackespeere eigentlich ist und welch bizarren Blüten sie im Laufe der Zeit getrieben hat, ist mir erst durch dieses 200-Seiten-Büchlein klar geworden. Bill Bryson gibt einen gründlichen, kenntnisreichen Überblick, der aber nie langweilig oder akademisch wird. Es wird ein Panoptikum von Typen und Anekdoten aufgefahren, dass zum Lachen und Kopfschütteln reizt.
An wirklich harten Fakten ist so wenig über Shakspar* bekannt, dass sehr viele Forscher die Lücken durch Spekulationen füllten. Bryson führt uns den wirklichen Stand unseres Unwissens brutal vor Augen und fährt gleichzeitig batallionsweise Spekulationen, fanatische Verfechter wirrer Lehrmeinungen und deren Motive auf. Cool.
Am besten hat mir gefallen, wie er das pralle, bunte England und London in der Zeit um 1600 zum Leben erweckt. Noch nie konnte ich mich dieser Zeit so sinnlich nahe fühlen. Bryson ist ein großer Erzähler, der mit wenigen Worten mehr erschafft als anderen auf tausend Seiten!

* was es damit auf sich hat, erfährst Du im Buch

Mittwoch, 7. Januar 2009

www.radio.de/

Endlich fündig geworden. Eine gutsortierte Website, auf der ich schnell Radiosender finde. Auf die Homepages der einzelnen Sender zu gehen ist ja die Pest: das Streaming ist oft versteckt, nicht durchgehend möglich, man muss Player installiert haben und das Senderhopping ist relativ kompliziert.

Hier kann man in Windeseile zwischen Ländern, Sprachen, Genres, Themen usw. wählen. Als registrierter User kann man Favoriten anlegen - mehr will ich nicht... Happy ;-)

London to Brighton

Typisch britisches Unterschichtkino: hart, ungeschminkt, häßlich und irre spannend. Der Plot ist kurz und einfach: eine Prostituierte und ein Straßenkind auf der Flucht vor ihrem Zuhälter und einem sehr bösartigem und sehr unzufriedenen Kunden. Schließlich werden sie geschnappt.

Tolle schauspielerische Leistungen, dichte, authentische Atmosphäre, gute Schnitttechnik und rafinierte Erzählreihenfolge. Hier kommt Ian-Rankin-Atmosphäre aus den Rebus Romanen rüber.

Und natürlich - natürlich gibt es inmitten all dieser Kälte, Hässlichkeit und Härte Menschlickkeit, Freundschaft, Verantwortung, Hilfe. Natürlich nicht heroisch und mit Pauken und Trompeten a l´americaine, sondern - nun ja - britisch...